BERICHTE
Benefiz Veranstaltung
für Sandro
Stammzellentherapie
Sandro will laufen Part 1
Sandro will laufen Part 2
Nervenzellen
Neubildung von Myelin |
MS-Infozentrum
Von Mildner - Datum: 2003-03-05 06:34:01
Die Bedeutung embryonaler
Stammzellen
Nun wird es Zeit, auf die embryonalen Stammzellen
einzugehen. Will man embryonale Stammzellen gewinnen, regt man eine
befruchtet Eizelle an, sich in der Petrischale zu teilen, also im
Labor nach künstlicher Befruchtung. Etwa am 4. bis 5.Tag bildet
sich der sogenannte Blasenkeim, die Blastozyste. Die Hülle
des Blasenkeims besteht aus sog.Trophoblastenzellen, die später
die Plazenta ausbilden. An einem Pol im Inneren der Hohlkugel befindet
sich die innere Zellmasse. Das sind die noch weitgehend undifferenzierten
embryonalen Stammzellen, aus denen sich der Embryo entwickelt. Um
an diese Zellen zu gelangen, muss man den Blasenkeim in diesem Stadium
zerstören. An dieser Stelle endet die Existenz des Individuums.
Das ist das große ethische Problem, das sich um die embryonalen
Stammzellen rankt. Die gezielte Herstellung und Zerstörung
eines Embryos zur Stammzellgewinnung ist in Deutschland bekanntlich
verboten. Aus dem Blasenkeim entnommene embryonale Stammzellen können
im Labor, also in der Zellkultur, durch Zusatz eines bestimmten
Zellfaktors immortalisiert (unsterblich gemacht) werden, so dass
sie sich ständig teilen. Einen Teil dieser Zellen kann man
abtrennen und in einem anderen Kulturgefäß weiter wachsen
lassen. Jetzt ist auch ein Versand der Zellkultur möglich,
wie dies kürzlich von Israel an ein Institut in Bonn oder von
den USA nach Köln möglich war. So entstehen die embryonalen
Stammzell-Linien, deren Import nach Deutschland für Forschungszwecke
begrenzt erlaubt ist. Sie stammen alle von einem Individuum ab,
das jedoch nicht mehr existiert. Würde man embryonale Stammzellen
also therapeutisch bei einem Patienten anwenden, wären es für
diesen immer körperfremde Zellen, die auch bei zunächst
perfekter Integration zu Immunproblemen führen können.
Diese Probleme können dann entstehen, wenn die Zellen ausreifen
und die Gewebemerkmale des Individuums, von dem sie stammen, auf
der Zelloberfläche ausbilden.
Embryonale Stammzellen sind für die
Forscher deshalb so verlockend, weil sie noch nahezu völlig
undifferenziert sind. Sie können in über 200 verschiedene
Gewebszellen ausreifen, also zu Gewebszellen entwickeln, nicht nur
bei der natürlichen Entwicklung des Embryo im Mutterleib, sondern
auch im Labor. Wenn man der Zellkulturschale den richtigen Mix von
Zellfaktoren zusetzt, lassen sich verschiedene Zellarten gezielt
entwickeln, z.B. neuronale Stammzellen. Diesen Mix herauszufinden,
ist eine Sysiphus-Arbeit. Aber einigen Forschern, wie z.B. Prof.
Brüstle in Bonn, ist das gelungen. Darauf bezieht sich übrigens
auch sein Patent, das fälschlicherweise als "Klon-Patent"
gebrandmarkt wurde. Hat man also embryonale Stammzellen zur Verfügung
und kennt den richtigen Mix, kann man nahezu jede gewünschte
Zellart gezielt herstellen. Nicht nur das. Bringt man embryonale
Stammzellen in das geschädigte Gewebe ein, beginnen sie dort,
sich unter dem Einfluss der lokal wirksamen Gewebshormone zum entsprechenden
Zelltyp umzuwandeln und sich in den Zellverband zu integrieren.
Das ist übrigens auch mit Stammzellen aus Nabelschnurblut gelungen.
Es bleibt jedoch das Problem, dass es körperfremde Stammzellen
sind. Es ist also noch ein sehr weiter Weg, bis es gelingen wird,
aus den Forschungsansätzen breit anwendbare Therapien zu entwickeln.
Immerhin konnte Prof. Brüstle im Tierversuch zeigen, dass aus
embryonalen Stammzellen neuronale Stammzellen einschließlich
Gliazellen entstehen können, die in der Lage sind, Myelinscheiden
zu bilden. Um von diesen Entwicklungen zu profitieren, bietet das
Nabelschnurblut der jüngsten und kommenden Generationen eine
viel versprechende Option der persönlichen Gesundheitsvorsorge,
indem man es bereits bei der Geburt als pluripotente, körpereigene
Quelle von Stammzellen sichert. Betroffene der gegenwärtigen
Generation haben das eigene Nabelschnurblut als potentielle Quelle
für Stammzellen aber nicht zur Verfügung.
Fortschritte bei Therapieschritt 1 - der
Reprogrammierung des Immunsystems und damit des Stopps des Autoimmunangriffs
- werden in der näheren Zukunft voraussichtlich am ehesten
Erfolge bringen. Ob dann für Therapieschritt 2 embryonale oder
adulte Stammzellen benutzt werden - zu denen als besondere Gruppe
auch Stammzellen aus dem Nabelschnurblut gehören -, ist aus
rein medizinischer Sicht eher eine zweitrangige Frage, wenn man
bei der Anwendung embryonaler Stammzellen das erhebliche ethische
Problem bewusst ausklammert. Zweifellos lassen sich an embryonalen
Stammzellen die Differenzierungsprozesse am genauesten studieren
und darin sehen die Fachleute auch ihren größten Wert.
In der (möglichen) Anwendung werden sie für den Patienten
jedoch immer körperfremde Zellen bleiben, mit allen zu erwartenden
Problemen, die daraus resultieren.
© Dr.Erich Kunert, VITA 34 AG, Leipzig, 04.03.2003
Mit freundlicher Genehmigung des Veröffentlichers
Dieser Artikel wurde gedruckt von MS-Infozentrum
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