1. Was ist Multiple
Sklerose? 2. Verbreitung und
Vererbung 3. Pathologische
(krankhafte) 4. Krankheitsverlauf
5. Symptome der MS
6. Diagnose der MS |
Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronisch entzündliche
Erkrankung des Zentralen Nervensystems im jungen und mittleren Erwachsenenalter.
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische
Entzündung des zentralen Nervensystems (ZNS), deren Ursachen
man bis heute nicht genau kennt. Man schätzt, dass in Deutschland
etwa 120.000 Menschen von der Krankheit betroffen sind. Auch wenn
die MS damit vergleichsweise selten ist und nicht zu den "Volkskrankheiten"
wie Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit gehört, handelt es sich
doch um die häufigste neurologische Erkrankung, die im jungen
Erwachsenenalter zu einer dauerhaften Behinderung führen kann.
Nach dem derzeitigen Wissensstand ist die MS eine Autoimmunerkrankung,
bei der zusätzlich genetische und epidemiologische Faktoren
eine Rolle spielen, und die schließlich zur Markscheidenschädigung
(Demyelinisierung) und axonalen Degeneration (Verlust) der Nervenzellverbidungen
führt. Allerdings sind trotz vielfältiger Forschungsbemühungen
der letzten Jahre, die zu neuen Erkenntnissen der Entstehungsursachen
und damit auch zu neuen Therapieansätzen geführt haben,
die für den Ausbruch der Erkrankung verantwortlichen Faktoren
unbekannt.
2. Verbreitung und Vererbung
Die MS kommt in Mitteleuropa mit einer Häufigkeit von etwa
50 - 100 pro 100.000 vor. Pro Jahr erkranken zwischen 1 - 3 pro
100.000 Menschen neu an einer MS. Diese Häufigkeiten sind jedoch
geographisch sehr unterschiedlich und abhängig vom Breitengrad.
Im Allgemeinen nimmt die Erkrankungshäufigkeit in Richtung
der Pole stark zu und hat am Äquator ihr Minimum:
Allerdings sind epidemieartige Häufungen mit Abweichungen
von dieser Regel beschrieben, z. B. auf Sardinien, in Island und
auf den Faröer-Inseln. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger
betroffen als Männer. Die Erkrankung beginnt hauptsächlich
im jungen Erwachsenenalter, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen
dem 20. und 45. Lebensjahr. Erstmanifestationen vor der Pubertät
sowie nach dem 60. Lebensjahr sind selten, können aber durchaus
vorkommen. Aus Einwanderungsstudien ist bekannt, dass sich das Erkrankungsrisiko
dem Einwanderungsland angleicht, wenn der Umzug aus einem Hochrisikogebiet
vor dem 15. Lebensjahr erfolgt, während bei Auswanderung nach
dem 15. Lebensjahr das ursprüngliche Erkrankungsrisiko beibehalten
wird. Neben diesen äußeren Einflüssen scheinen genetische
Faktoren ebenfalls eine Rolle zu spielen: die Häufigkeit der
MS weist deutliche Unterschiede bei verschiedenen Rassen auf und
kommt vor allem bei Weißen vor, während sie bei Schwarzen
oder bei Asiaten kaum anzutreffen ist. Die Konkordanzrate, d. h.
die Wahrscheinlichkeit, dass ein Zwilling betroffen ist, wenn auch
der andere Zwilling erkrankt ist, ist bei eineiigen Zwillingen mit
etwa 21 - 40% deutlich höher als bei zweieiigen Zwillingen
(3-5%). Familienangehörige eines MS-Erkrankten haben ein Erkrankungsrisiko
von bis zu 5%, das damit gegenüber der Normalbevölkerung
um den Faktor 30 - 50 erhöht ist. Wiederholt konnte in einzelnen
Untersuchungen ein schwacher Zusammenhang zu verschiedenen HLA-Antigenen,
die für die Immunantwort verantwortlich zu sein scheinen, gefunden
werden. Diese Beobachtungen stützen die Schlussfolgerung, dass
die Ursache der MS in einem komplexen Zusammenspiel aus Veranlagung
und Umwelteinflüssen zu suchen ist. Das derzeit allgemein akzeptierte
Konzept zur Entstehung der MS besagt, dass bei bestimmter genetischer
Veranlagung ein Krankheitsprozess in der frühen Kindheit initiiert
wird, der symptomlos verlaufen, aber unter dem Einfluss äußerer
Einflüsse auch zum Vollbild der Krankheit führen kann.
Diese Einflussfaktoren sind unbekannt, diskutiert werden virale
Infekte wie das Cytomegalievirus.
3. Pathologische (krankhafte) Veränderungen bei MS
Makroskopische Pathologie
Die mit bloßem Auge sichtbaren (makroskopischen) pathologischen
Veränderungen der Multiplen Sklerose bestehen aus Vernarbungen
("Sklerose"), die in Gehirn und Rückenmark verteilt
sind und der Erkrankung ihren Namen gegeben haben.
Durch feingewebliche (histopathologische) Untersuchungen lassen
sich 4 Unterformen der MS unterscheiden. Die ersten beiden Subtypen
sind durch zellvermittelte (Typ I) oder antikörpervermittelte
(Typ II) Entzündungsreaktionen charakterisiert, während
bei den beiden anderen, eher seltenen Subtypen eine primäre
Schädigung der myelin-bildenden Zellen (Oligodendrozyten) im
Vordergrund des Krankheitsprozesses steht.
In der Regel stellen die makroskopisch sichtbaren Vernarbungen
den Endzustand des MS-Herdes dar. Zu Beginn stehen entzündliche
Markscheidenschädigungen (Demyelinisierung) im Vordergrund,
die bevorzugt um die Hirnkammern herum (periventrikulär) angeordnet
sind. Durch Demyelinisierung, Zelluntergang und Narbenbildung (Gliose)
kommt es zur Schrumpfung der betroffenen Regionen im ZNS, so dass
sowohl Rückenmark, Hirnstamm als auch die Großhirnhemisphären
atrophische Veränderungen aufweisen.

Neben diesen entzündlichen Vorgängen scheinen aber auch
degenerative Veränderungen eine wesentliche Rolle vor allem
für die chronisch-progrediente Verschlechterung zu spielen,
so dass derzeit die Pathogenese der MS in zwei wesentlichen Vorgängen
gesehen wird: zunächst kommt es zur Demyelinisierung, die durch
die entzündliche Aktivität bedingt ist und in den frühen
(schubförmigen) Krankheitsstadien dominiert. Bereits zu diesem
Zeitpunkt tritt eine axonale Schädigung auf, der neuronale
Zelluntergang kann jedoch noch kompensiert werden. Wird jedoch eine
kritische Schwelle überschritten und sind somit die Kompensationsmechanismen
erschöpft, kommt es auch unabhängig von entzündlicher
Aktivität zu einer fortschreitenden axonalen Degeneration,
die den weiteren Krankheitsverlauf beherrscht und für die sekundär
chronisch-progrediente Verschlechterung verantwortlich sein dürfte.
4. Krankheitsverlauf und Prognose
Die beiden wesentlichen Verlaufsformen der MS sind der schubförmige
und der chronisch-progrediente Verlauf. Zu Krankheitsbeginn überwiegt
deutlich der schubförmige Verlauf, nur 5 - 10 % aller Fälle
zeigen eine primär chronisch-progrediente Form. Früheren
Untersuchungen zufolge gingen nach etwa 10 - 15 Jahren die Hälfte
der zu Krankheitsbeginn schubförmigen MS-Patienten in die sekundär
chronisch-progrediente Verlaufsform über:

Verlaufsformen von Multiple Sklerose
Von neueren Untersuchungen weiß man, dass diese Zahlen –
nicht zuletzt durch die Verbesserungen der immunmodulatorischen
und symptomatischen Therapie – heutzutage wesentlich günstiger
sind. Trotz aller Bemühungen, prognostische Faktoren für
das Fortschreiten der neurologischen Behinderung zu finden, ist
der Krankheitsverlauf im Einzelfall nur bedingt vorhersagbar. Allgemein
werden ein schwerer Behinderungsgrad nach 5 Jahren Krankheitsdauer,
persistierende motorische Defizite, höheres Erkrankungsalter
und häufige Schübe in den ersten beiden Krankheitsjahren
als Indikatoren für die rasche Entwicklung späterer neurologischer
Behinderung herangezogen. Insbesondere in den frühen Krankheitsstadien
kommt der Kernspintomographie (MRT) große Bedeutung zu: so
entwickelten 88 % der Patienten mit einem ersten schubartigen Ereignis,
das auf eine MS verdächtig war, nach 14 Jahren eine klinisch
gesicherte MS, wenn in der MRT Veränderungen zu finden waren,
während dies nur bei 19 % der Patienten mit unauffälligem
MRT-Befund zutraf.
5. Symptome der MS
Die Symptomatik der MS ist sehr vielfältig und kann im Verlauf
stark variieren. Am Beginn der Erkrankung treten häufig Sehstörungen
mit Verschwommen- oder Nebelsehen als Ausdruck einer Sehnerventzündung
(Optikusneuritis) und motorische Störungen auf. Darüber
hinaus finden sich sensible Symptome, häufig in Form von Kribbelparästhesien
oder einem Taubheitsgefühl. Im weiteren Verlauf können
spastische Lähmungserscheinungen (Paresen), überwiegend
der unteren Extremitäten, und eine Kleinhirnsymptomatik mit
Intentionstremor, Gangunsicherheit und skandierender Sprache ("Charcot-Trias")
vorkommen. Blasenstörungen im Sinne eines imperativen Harndranges
oder einer Dranginkontinenz, einer Blasenentleerungsstörung
oder einer kombinierten Schädigung sind ebenfalls häufig
und mit dem Schweregrad der motorischen Einschränkung korreliert.
In jüngerer Zeit finden psychische Veränderungen und
Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit ("kognitive
Störungen") zunehmende Beachtung, da sie einerseits eine
erhebliche Belastung für Patient und Angehörige darstellen
und andererseits nicht selten alleine und unabhängig von der
neurologischen Beeinträchtigung zur Erwerbsunfähigkeit
führen können. Leichtere depressive Verstimmungen zeigen
sich zumindest zeitweise bei den meisten Patienten, etwa 20 –
25 % leiden gar an einer behandlungsbedürftigen Depression
auf. Obwohl kognitive Veränderungen häufig klinisch unbemerkt
bleiben und von den Patienten allenfalls Merkfähigkeits- und
Konzentrationsstörungen angegeben werden, herrscht weitgehende
Übereinstimmung darin, dass bei etwa 45 – 65 % der MS-Patienten
aufgrund einer eingehenden neuropsychologischen Testung kognitive
Einschränkungen diagnostiziert werden können. Dabei zeigen
sich am häufigsten eine verminderte Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit
und Aufmerksamkeitsstörungen, Beeinträchtigungen des sprachlichen
und nicht-sprachlichen Langzeitgedächtnisses sowie des Metagedächtnisses,
Störungen visuell-räumlicher Wahrnehmungsfunktionen und
Störungen der sogenannten exekutiven Funktionen, die für
Handlungsplanung und problemlösendes Denken verantwortlich
sind. Besonders diese Einschränkungen können eine erhebliche
Einschränkung der Lebensqualität zur Folge haben.
6. Diagnose der MS
Die Diagnose der MS wird im wesentlichen anhand klinischer Kriterien
gestellt und stützt sich auf den Nachweis neurologischer Symptome
und Befunde, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten und an verschiedenen
Stellen des ZNS auftreten ("Dissemination in Ort und Zeit").
Die evozierten Potentiale (visuell-evozierte Potentiale, VEP, somato-sensibel
evozierte Potentiale, SSEP, und magnet-evozierte Potentiale, MEP)
können die Diagnose unterstützen, indem sie klinisch nicht
in Erscheinung getretene Herde aufdecken und so z. B. eine abgelaufene,
aber nicht bemerkte Sehnerventzündung nachweisen können.
Die Liquoruntersuchung mit dem Nachweis der "oligoklonalen
Banden" ist unabdingbar, um entzündliche Veränderungen
im Nervenwassen (Liquor) aufzudecken und andere Differentialdiagnosen
auszuschließen. Von besonderer Bedeutung ist die Kernspintomographie
(MRT). MS-typische Veränderungen ("weiße Flecken")
stellen rundlich-ovale Herde dar, die vor allem um die Hirnkammern
herum (periventrikulär) angeordnet sind, aber auch den Übergang
zwischen Hirnstamm und Kleinhirn und das obere Rückenmark betreffen
können.
Leider gibt es bis jetzt keinen Befund, der für sich alleine
genommen beweisend für die Diagnose "MS" wäre.
Daher muss immer das klinische Erscheinungsbild mit dem Verlauf,
der neurologische Untersuchungsbefund und die Ergebnisse der Zusatzuntersuchungen
in der Zusammenschau gewürdigt werden, um die Diagnose stellen
zu können. Hierfür existieren Diagnosekriterien ("Poser-Kriterien"),
die in jüngster Zeit modifiziert wurden und es unter Berücksichtigung
der kernspintomographischen Herde erlauben, die Diagnose einer MS
bereits drei Monate nach dem ersten Ereignis zu stellen ("Mc-Donald-Kriterien").
Quelle: Amsel.de
Priv.-Doz. Dr. Peter Flachenecker,
Chefarzt des Neurologischen Rehabilitationszentrums Quellenhof
|
|

Zum einen treten im Gehirn und teilweise auch im Rückenmark verstreut
Entzündungen auf, die der Angriff körpereigener Abwehrzellen
auf die Myelinscheiden der Nerven verursacht.
STAMMZELLENFORSCHUNG
- Verwandlungskünstler mit großer
Zukunft
-
Warten auf die Wunderwaffe
-
Neue Wege in der Stammzell-Forschung
-
Interaktiv > Heilen mit Stammzellen
- Stammzellen aus der Nabelschnur

>>
Durchbruch Stamzellenforschung
(.mp3 - MP3 - DE)
>> Tysabri Aufklärungsvideo
http://www.youtube.com/watch?v=nY2g02MqH74
(EN)
Therapien: Tysabri
Mitoxantron
Interferonen
Weitere Links: www.amsel.de
www.ms-gateway.de
www.dmsg.de |
|